Interventionen – Oliver Bischof

Dauer

10. November 2012 bis 2. Dezember 2012

Ort

Forum für aktuelle Kunst | Villa Claudia | Bahnhofstraße 6 | A-6800 Feldkirch | www.kunstvorarlberg.at | office@kunstvorarlberg.at | M +43(0)680 246 77 05

Öffnungszeiten

Kunst.Vorarlberg lädt Sie und Ihre Freunde

herzlich zur Ausstellung ein.

Eröffnung | Freitag 9. November 2012 | 19 Uhr | Herrenabend

Gespräch | Rupert Tiefenthaler | Archivar

Finissage | Sonntag 2. Dezember 2012 | 19 Uhr

Rede | Dr. Peter König | Neurologe

Musik | Take two | Sax und Piano

 

www.oliverbischof.at

KULTUR-Artikel von R. Tiefenthaler

 

Oliver Bischof – Interventionen:  Eingriffe im Raum
Ausstellung in der Villa Claudia in Feldkirch, November – Dezember 2012

Interventionen sind Eingriffe. Sie haben einen räumlichen Charakter ebenso wie einen gesellschaftlichen. Die Interventionen des 1969 in Dornbirn geborenen Oliver Bischof attackieren unser herkömmliches Raumverständnis. Seine mathematisch ausgeklügelten Skulpturen sind in der Villa Claudia in Feldkirch zu sehen. Sie spielen auf unterschiedliche Art mit dem Raum. Sie laden ein zur Frage: „wer stört“? Ist es die Skulptur, die zu groß ist für den Raum? Ist es der Betrachter, der selbst kaum Platz findet in der Ausstellung? Ist es der Raum selbst, der nicht Platz machen will und der damit seiner ureigensten Funktion nicht nachkommt? Oliver Bischof, gelernter Textilchemiker und Siebdrucker, hat in Wien an der Universität für angewandte Kunst Bildhauerei und Raumkunst studiert. Als Chemiker weiß er vom inneren Aufbau der Körper und kennt die atomare Mikrostruktur der Stoffe. Als Raumkünstler thematisiert er den Raum als äußere Bedingung für den Körper. Was sind die Grenzen für die Skulptur, was geschieht mit ihr, wenn sie sich nicht an den Raum hält? Aus zwölf Fünfecken schafft Bischof in einem der Räume der Villa Claudia einen Ballon, der sich in dem rechteckigen Raum zu einer übergroßen Kugel aufbläst, sodass für den Besucher kein Platz mehr ist. Aus dem mathematisch-architektonischen Spiel von Kugel und Kubus wird plötzlich eine Attacke auf den Besucher, der zum Störfaktor wird.

Geometrie und Gesellschaft verbindet Bischof auch in seiner Skulptur „Vox“. Ein Siebeneck bildet die Grundform für einen Holztrichter. Mehrere Begebenheiten haben den Künstler zu diesem Objekt inspiriert. Einerseits der Schalltrichter auf der Schattenburg in Feldkirch, der die Weinbauern vor Hagel warnte. Andererseits die Appenzeller Bauern, die mit ihrem durch den Trichter gesungenen Alpsegen sich von ihrem gleichnamigen protestantischen Kanton steil absetzen wollten. Damit reagieren sie auf Zwingli, der ja im Appenzell geboren ist und der es verstanden hat, eine Grenze zu ziehen, die wesentlich für das Raum- und das Selbstverständnis der Bevölkerung wurde.

Wie Farbe auf die Architektur wirkt, zeigt der grösste Raum in der Villa Claudia. Er ermöglicht das Eintauchen in die Farbe Blau. Wenn der Schriftsteller Alfred Andersch einen Gedichtband betitelt mit „Empört Euch, der Himmel ist blau“, so zeigt dies die Ambivalenz der Farbe. Nicht nur, dass aufgrund einer blauen Lichtflut in den Bahnhöfen Drogenabhängige ihre Venen nicht finden können. Auch die Majas haben ihre Blutopfer blau angemalt als besonderes Merkmal und Auszeichnung.
Dass das Eintauchen in diese Farbe alles andere als ein „heimeliges“ Gefühl evoziert, liegt ganz in der Absicht des Künstlers.

Das Eckzimmer der Roten Villa wurde ursprünglich als Frühstücksraum benützt. Angeblich war der Raum offen. Oliver Bischof vereinnahmt dieses Zimmer, indem er es zu seinem privaten Raum macht. Herbstliches Laub von Birkenblättern findet sich in eine Ecke geweht, eine alte, quasi vergessene Tapete steht symbolisch für die Jugenderinnerungen. Für die Besucher gibt es erstmals Sitzgelegenheiten. Mit dem Ausruhen wird es aber nichts. Der Betrachter stört. Im intimen Raum der Erinnerungen ist
er nichts als ein Fremdkörper.

Das kleinste Zimmer im Norden der Villa ist den skulpturalen Bildern gewidmet. Bilder schaffen einen Raum und sind Fenster. Aus dieser Überlegung heraus entwirft Bischof seine Bild-Ersatz-Objekte, monochrom auf Rigips aufgetragen. Als solche erfüllen sie zwei Funktionen: es sind die einzigen Objekte der Ausstellung, die verkaufbar sind und die damit den wirtschaftlichen Produktions- und Distributionsbedingungen des Kunstmarkts entsprechen. Ihre eigentliche Funktion ist es, den durch das Bild veränderten Raum zu zeigen und damit eine Skulptur in den Augen des Betrachters entstehen zu lassen. Der Künstler holt damit den Betrachter als Bildner seiner Kunst in sein Werk hinein.

Bischofs „Interventionen“ im Raum laden den Besucher ein, den Kunstbetrieb zu hinterfragen. Sie laden ebenso ein, das Zusammenspiel von Raum, Skulptur und Betrachter genauer zu überlegen. Wie fühlt sich ein überversorgter, wie ein unterversorgter Raum an? Die Fragen materialisiert Oliver Bischof als Raumkünstler mit Witz, Wucht und gar
nicht freundlich, philosophisch eben als eine Herausforderung.